Anwendungsfelder für den Dialog in der Praxis

Interviews mit Mitgliedern einer Forschungsgruppe Dialog in Arbogast und von Mitgliedern dieser Forschungsgruppe mit weiteren Personen ergaben eine Fülle von praktischen und möglichen Anwendungsfeldern.

Andrea Grabherr

Von der Paarbeziehung über die Familie zu diversen Frauengruppen, in der eigenen Firma (Omnibus- und Beratungsunternehmen) z.B. am Start eines neuen Projektes aber auch in Arbeitskreisen, in Gremien- und in der Verbandsarbeit. Allein die eigene dialogische Haltung hat eine Wirkung auf die Kommunikation mit anderen. 


Christian Hörl

Als freischaffender Unternehmensberater bin und war ich in sehr vielen Bereichen mit dem Dialog unterwegs. So z. B. in social (non)profit und wirtschaftlichen Unternehmen, in meiner Arbeit mit Betriebsräten, in Beratungsgremien der Landesregierung und im Jugend- und Seniorenbeirat mit dem Dialog der Generationen. Darüber hinaus noch in verschiedenen Lern-, Forschungs- und Zukunftsfeldern hier in Arbogast. Dazu zählen Workshops mit einem bestimmten Thema im Fokus, die Forschungsgruppe, die sich regelmäßig trifft und verschiedene Dialogkonferenzen mit gesellschaftspolitischen Themen (z. B. Tage der Utopie, Projekt der Hoffnung…). Des weiteren auch im Freundes- und Familienkreis sowie im gesellschaftspolitischen Bereich (z.B. Vorarlberger Friedenskraftwerk, Lernpartnerschaft Nord-Süd,...)


Sepp Gröfler

Der Dialog ist fixer Bestandteil für alle MitarbeiterInnen der Telefonseelsorge geworden, sowohl in der Ausbildung als auch bei der Arbeit.


Christine Schillings

Ihre Anwendungsfelder sind Dialog und Schule, Dialog und SchülerInnengespräche, Dialog und MitarbeiterInnengespräche, Forschungsgruppe Dialog, Übungsgruppe Dialog, Dialogveranstaltungen generell und als Seminarleiterin.

„In der Euphorie im Anwenden gab es immer wieder Situationen des Scheiterns. Manchmal war für das Gegenüber die Form zu ungewohnt (z.B. erste Teamsitzungen). Elemente der Form griffen aber immer mehr und stärkten Team und Gruppe.

In ungeübten Gruppen ist die Form oft im Vordergrund und "Tiefe" wächst erst langsam.


Gerda Schmid und Josef Kittinger


Als Element von Sitzungen, für das Finden der grundlegenden Übereinstimmung, als Grundlage für fruchtbares Diskutieren und Planen.
Element bei Entwicklung von Projekten, Konzepten, Visionen von Organisationen und Unternehmen.
Element bei Bildungsveranstaltungen wie „Tage der Utopie“, Symposien, Seminare. In Schulen, z.B. bei den Öko-Schullandwochen.
In Konfliktsituationen in Unternehmen, damit jede/r zu Wort kommt, gehört wird ohne unterbrochen zu werden. Bei Gesprächen mit MitarbeiterInnen, den erwachsenen Kindern, mit der Partnerin, bei Elternabenden und in Kindergruppen.



Cornelia Cubasch-König

In Supervisionsgruppen, bei Klausurtagungen und in
Ausbildungssituationen (PH/Masterstudium).


Johann Punzenberger

Überall, wo Menschen Gemeinsamkeiten schaffen wollen.


Judith Kurz

Als Pädagogin übe ich schon mit den Kleinsten den Dialog und erlebe immer wieder sehr berührende Momente mit den Kindern, die ihre Anregungen (eine Muschel als Symbol fürs Zuhören und ein Herz als Symbol für das von Herzen sprechen) schnell aufgreifen. Die Kinder erzählen, was sie berührt und ein befruchtender Austausch ist oft möglich. Meine Sehnsucht ist den Dialog im Freundeskreis zu etablieren, eine Gruppe für Trauernde aufzubauen, ... und überhaupt, den Dialog ins Leben zu holen, dies soll nicht nur Sehnsucht bleiben.


Johannes Ouschan

Ich würde eher von Anwendungsfeldern mit Dialogqualität sprechen und da fallen mir als Anwendungsfelder neben dem Dorfinstallateur - z.B. im Rahmen der Gesellschafterbesprechungen, wo wir uns im Dialog über für uns wichtige Themen austauschen - Gespräche an der pädagogischen Hochschule zwischen Lehrenden und UnternehmerInnen ein, des weiteren Gespräche im Rahmen von Ökoprofit und ein Zusammenschluss von 7-8 handwerklichen Betrieben, die sich nach den Tagen der Utopie in Arbogast gefunden haben, um gemeinsam Projekte zu besprechen, die sich aus den Ausführungen von Gunter Pauly für Vorarlberg ergeben könnten.


Martin Heyer

Über 10 Jahre habe ich an einer generativen Dialoggruppe teilgenommen. Dabei hat mir aber doch der "rote Faden" immer wieder gefehlt. So biete ich mit meiner Partnerin innerhalb eines soziokulturellen Zentrums sechs Dialogabende zu dem jeweiligen Jahresthema an. Wir brechen die Themen mit gesellschaftlicher Relevanz im Dialog auf die Ebene eigener Erfahrungen herunter. Dieses Jahr z. B. hieß der Dialog zum Thema "40 Jahre Frauenrechte": "Frauenrechte – Männerpflichten? Wo stehen wir im Verhältnis von Mann und Frau." Meist sammeln wir in den ersten drei Abenden Aspekte zum Thema, um es dann dort zu vertiefen, wo sich das Engagement der Teilnehmenden hinwendet. Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell die Gespräche persönlich werden und welchen Tiefgang sie erhalten. Es geht aber immer auch darum, den Dialog kennenzulernen und zu praktizieren. Mit dem Dialog werden viele Haltungen geübt und wenn diese im Alltag bewusst genutzt werden, kann das einiges bewegen. Manchmal möchte ich aber schon, dass über den gegenseitigen Austausch hinaus Konkreteres bewirkt werden kann. Da möchten wir dranbleiben und versuchen aus dem Reden ins Handeln zu kommen. Sei es, dass aus den Dialoggruppen Projektgruppen entstehen, oder sei es, dass das Besprochene festgehalten und anderen zugänglich gemacht werden kann.